Boom bei Solo-Camperreisen: Frauen auf dem Vormarsch

Immer mehr Menschen reisen solo im Camper. Seit 2023 soll die Zahl der alleine Reisenden im Wohnmobil oder Caravan um rund ein Viertel gestiegen sein. Vier von zehn alleine Reisenden sind mittlerweile Frauen. Für sie sind die Trips mit dem Camper eine bewusste Entscheidung, für Selbstbestimmung und Freiheit.reiheit auf 

 

Flexibel reisen nach den eigenen Regeln

Spontan die Route ändern können, den Sonnenuntergang genießen können, wo es sich richtig anfühlt, oder spontan zu einem Städte-Trip mit Besuch von Konzert, Ausstellung oder Museum starten, das sind die Vorteile eines Campers. Die Frauen von heute haben eine klare Vorstellung davon, wie und wohin sie reisen wollen. Kulturelle Aktivitäten während der Reise, etwa bei einem Wochenend-Trip, liegen dabei im Trend. Da Konzert- oder Theater-Besuche mit auf der Liste der Aktivitäten stehen, führen viele der Reisen in Städte. Da ist ein kleineres Fahrzeug bei der Suche nach einem Park- oder Stellplatz natürlich hilfreich. Kein Wunder, dass handliche und wendige Fahrzeuge - wie Hochdach-Kombis oder Kleinbusse wie der VW Bus oder der Ford Transit - bei den weiblichen Campern besonders beliebt sind. Ohne oder mit einem flachen Aufstelldach passen die Fahrzeuge sogar in Tiefgaragen und sind damit innenstadt- und alltagstauglich. Damit spart frau sich dann einen Zweitwagen, denn das Reisefahrzeug taugt auch für die Fahrt zum Arbeitsplatz oder den Wocheneinkauf.

 

Das passende Fahrzeug finden - Sicherheit, Komfort und Alltag

Bei manchem Individual-Ausbauer macht der Anteil der Frauen unter ihren Kunden bereits die Hälfte - und teilweise mehr - aus. Und auch ein guter Teil der Küchen- und Schlafmodule, die für SUVs, Vans und Hochdach-Kombis angeboten werden, gelangen in Frauenhand. Mit den Modulen, die im  Kofferraum montiert werden, wird aus dem Alltagsfahrzeug rasch ein Camper, für den Wochenend-Trip oder den Jahresurlaub. Neben der Schlafstätte sind meist Spüle und Frischwasser-Kanister, ein kleiner Kocher sowie Kühlbox mit im Lieferumfang enthalten oder gegen Aufpreis zu bekommen. Ein  (tragbares) WC gibt es im Zubehörhandel, schwierig wird es speziell bei kleineren Fahrzeugen bei der Unterbringung. Das ist bei „echten“ Reisemobilen wie Alkoven-Modellen, Teilintegrierten oder Integrierten kein Problem, dort sind in aller Regel Sanitärabteile mit Dusche und WC ab Werk verbaut. Durch die größeren Abmessungen leidet jedoch häufig die Alltags-Tauglichkeit. Einen guten Kompromiss zwischen Abmessungen und Komfort stellen Campingbusse dar. Sie bieten bei überschaubaren Dimensionen Küche, Bad, WC, Stauraum und Komfort. Grundsätzlich gilt für Reisen an kälteren Tagen, dass eine Heizung sinnvoll ist. Bei schlechten Witterungsbedingungen ist Stehhöhe im Fahrzeug angenehm. Wer sich in der wärmeren Jahreszeit überwiegend draußen aufhält, kann darauf möglicherweise verzichten.

 

Sicherheit und Unabhängigkeit als zentrale Faktoren

Unanhängig von den Abmessungen kombiniert der mobile Rückzugsort auf vier Rädern die gewünschte Flexibilität unterwegs mit der Kontrolle über die eigene Umgebung. Diese Kombination ist gerade für viele alleinreisende Frauen relevant und kaufentscheidend. Denn frau ist unabhängig von Hotels und deren Check-in-Zeiten, von öffentlichen Verkehrsmitteln oder starren Zeitplänen. Und kann selbst über Reiseziel und Route, Tempo und Tagesablauf bestimmen und führt die gewohnte Umgebung immobilen Zuhause mit sich. Camperinnen, die auf ihre eigene Sicherheit bedacht sind, dürften mit der Übernachtung auf Stell- oder Campingplätzen gut bedient sein. Dort ist man selten alleine, häufig gibt es sanitäre Einrichtungen und Stromanschlüsse. Eine Alternative können auch Plätze auf landwirtschaftlichen Einrichtungen sein, die im deutschsprachigen Raum etwa über Landvergnügen zu finden und zu buchen sind. Ähnliche Angebote gibt es auch in anderen europäischen Ländern. Hilfreich ist es bei der Wahl des Übernachtungsplatzes auch, gute beleuchtete Plätze zu wählen, Notfall-Kontakte griffbereit zu haben, den eigenen Standort mit Vertrauenspersonen zu teilen und: auf das eigene Bauchgefühl zu hören. Wer mit dem Camper autark steht, sollte im Notfall schnell auf den Fahrersitz wechseln und losfahren können. Das klappt am besten mit größeren Wohnmobilen. Mit dem Campingbus campt es sich allerdings etwas unauffälliger, falls Käuferinnen darauf Wert legen. Überhaupt gilt: Desto unauffälliger das Fahrzeug selbst, desto geringer dürften etwaige unliebsame Überraschungen - wie etwa Diebstähle - unterwegs ausfallen. Dennoch können -  neben besonnenem Verhalten - Alarmanlagen, Tür- oder Fenstersicherungen nicht schaden.

 

Welche Ausstattung wichtig ist

Abgesehen davon kann und sollte sich frau das Reisemobil nach ihren Möglichkeiten und Bedürfnissen aussuchen. Grundlegendes Kriterium ist der vorhandene Führerschein. Die entscheidenen Grenzen liegen bei 3,5 (Führerschein B) und 7,5 Tonnen (Führerschein C1) zulässigem Gesamtgewicht. Für alleine reisende Personen dürfte in den meisten Fällen, auch im Hinblick auf eine ausreichende Zuladung, ein Fahrzeug in der 3,5-Tonnen-Klasse ausreichend sein.

Denn wer solo unterwegs ist, braucht wohl nur selten ein Raumwunder auf Rädern. Zumeist dürfte ein kompakter Campingbus oder Van ausreichen. Speziell ist für viele alleinreisende Frauen dürfte ein Punkt wichtiger sein als die Fahrzeugabmessungen: Das Sicherheitsgefühl. Und das hängt auch davon ab, wie das Leben im Camper „innen“ abläuft und klappt. Bei kleineren Fahrzeugen verlagern sich kochen, umziehen oder das Verstauen von Gegenständen häufig nach außen. Die Hochdachkombis und klassischen Campervans sind daher eher für den Einsatz in der wärmeren Jahreszeit prädestiniert. Wer auch in kälteren Zeiten unterwegs sein möchte, sollte auf ein Fahrzeug und einen Grundriß setzen, bei dem auch mehr „Alltag“ möglich ist. 

Hier spielen auch die Fragen mit, wie autak der Camper sein soll (oder muss), was im Innenraum erledigt werden soll und was mit auf die Reise muss. Bei letzterem Punkt geht es etwa um Haustiere wie Hund oder Katze oder um Sportgerät für dir körperliche Betätigung. Ein Haustier braucht einen Liegeplatz und rutschsichere Böden, Fahrrad, Skier, SUP oder Surfbrett brauchen einiges an Platz im Stauraum oder am Fahrzeugheck. Zumindest für den „dringenden Notfall“ sollte auch ein - schnell nutzbares - WC an Bord sein, das natürlich seinen Platz braucht. Während manchen eine Außendusche völlig genügt, wollen andere auf die eigene Dusche im Fahrzeug nicht verzichten. Unter dem Sicherheitsaspekt ist vor allem auch ein schnell möglicher Wechsel vom Bett zum Fahrersitz (Stichwort: „Not-Start“) sinnvoll. Genügend Stauraum für die während der Urlaubstage benötigten sollte vorhanden sein, ist aber natürlich abhängig von den persönlichen Ansprüchen und Bedürfnissen. Angenehm ist es, wenn alles im Stand und während der Fahrt seinen sicheren Platz findet und nicht ständig hin und her geräumt werden muss.

Hinweise darauf, was wirklich ins Wohnmobil gehört, finden sich etwa in Form von Packlisten im Internet. Die Listen reichen von Küchenzubehör über eventuell benötigtes Werkzeug imPannenfall bis zur persönlichen Ausrüstung. Was wirklich gebraucht wird, stellt sich im Laufe der Zeit heraus. Ein Notizzettel hilft, so lässt sich während einem kurzen Test-Trip notieren, was fehlt. Die „Testfahrt“ könnte, etwa an einem Wochenende, in die nähere Umgebung des Wohnorts führen. So ist frau rasch wieder Zuhause, sollte sich heraustellen, dass Camping doch nicht die präferierte Urlaubsform ist. Und, bevor man die Investition in einem Camper tätigt, könnte es vernünftig sein, das „Test-Wochenende“ zunächst mit einem Mietmobil der angepeilten Fahrzeug-Klasse anzugehen. Die Kosten dafür hängen von der Reisezeit und vom ausgewählten Fahrzeugtyp ab. So um die 80 bis 120 Euro kostet ein kompakter Campervan in der Nebensaison, größere Fahrzeuge oder Buchungen in der Haptsaison kommen teurer. Vergleichs-Plattformen im Internet helfen dabei, günstige Angebote zu in Wohnortnähe finden. Das Geld für die Probe-Miete ist gut investiert. schließlich kann es vor kostspieligen Fehlinvestitionen schützen.

Text: Gerhard Prien