Das war Düsseldorf 2018

Düsseldorf 2018: Die Neuheiten und Trends

Weiterhin Kundenliebling: Der VW California

Das Geschäft mit rollenden Eigenheimen brummt, die Hersteller von Caravans und Reisemobilen melden neue Rekordabsätze. Die neuen Freizeitmobile 2019 gab es auf dem Caravan Salon zu sehen. 

Die wohl wichtigste und meist diskutierte Neuheit kam von VW. Die Hannoveraner bringen mit dem Grand California ein Fahrzeug, das eine Klasse höher angesiedelt ist als der California auf Basis des VW Bus. So um die 3.000 Einheiten will und muss VW vom Camper auf Crafter-Basis jährlich unters fahrende Volk bringen, soll sich der Neuling rechnen. Damit ist klar, dass VW der Klasse der "großen" Campingbusse einen ordentlichen Schub geben dürfte. Denn Kunden gibt es, für einen luxuriösen und kompakten Camper mit Pkw-ähnlichen Fahreigenschaften, allen möglichen Komfort-, Assistenz- und Sicherheitssystemen - und einem qualitativ hochwertigen Ausbau wie beim kleinen "Cali". Potenzielle Käufer sind einerseits die Aufsteiger, denen beim alltagstauglichen Cali vor allem die Nasszelle und ein WC fehlen. Auf der anderen Seite dürfte der Grand für reisende Paare interessant sein, denen ihr Integrierter doch etwas zu üppig geraten ist. Und dem auf Reisen aufging, dass Größe zwar im Stand für den zur Verfügung stehenden Lebensraum ganz schön ist, im Fahrbetrieb in den engen Gassen malerischer Winzerorte jedoch eher hinderlich ist. Den XXL-Cali gibt es in zwei Versionen: Als Grand California 600 mit Quer- und als 680 mit Längsbett (200 x 170 cm) im Heck, Nasszelle und Hochdach. Beide Modelle verfügen über WC, Nasszelle und Hochdach. Beim Querschläfer mit der Liegefläche von 195 x 140 cm muss VW seitlich "Ohren" zwischen den Karosserieholmen ansetzen, sonst klappt es beim relativ schmalen Crafter nicht mit der Liegelänge.

Klar ist, dass VW mit dem Grand California der Klasse der "Big Busses", also der großen Kastenwagen mit Nasszelle, zusätzliche Nachfrage verschaffen wird. Bisher waren in diesem Segment vor allem Hersteller wie CS-Reisemobile, Hymercar und la Strada unterwegs. Auf Basis des Wettbewerbers, des Mercedes Sprinter. Mit dem Crafter und dem weitgehend baugleichen MAN TGE haben die Ausbauer nun eine Alternative zum Stern.

Und die ersten Angebote sind bereits da, etwa von Dipa, Knaus, Reimo, Schwabenmobil oder Westfalia. In die Hände spielt allen Herstellern, dass die Kunden nach wie vor verstärkt auf der Suche nach kompakten Reisefahrzeugen sind. Rund die Hälfte aller produzierten Reisemobile sind mittlerweile ausgebaute Kastenwagen, die damit die Teilintegrierten als beliebteste Fahrzeuggattung abgelöst haben.

Kundenliebling ist nach wie vor der VW California, von dem im vergangenen Jahr fast 16.000 Einheiten abgesetzt wurden. Traditionshersteller Westfalia hat den Kepler Sixty als Retro-Modell mit Zweifarb-Lackierung und angedeuteten Lufteinlässen an der D-Säule im Programm, mit 150 PS leistendem Diesel und serienmäßiger Standheizung von Webasto. Auch im Wohnraum bestimmt das Retro-Design die Optik, die an ein amerikanisches Diner der 1950-er Jahre erinnert.

Retro auch bei Citroen. Die Franzosen bringen den Typ H Wildcamp auf Basis eines ausgebauten Kastenwagens von Pössl, der an den kultigen Retrobus HY mit seinem "Wellblech"-Look erinnert.

Relativ günstig kommt man bei Karmann weg, mit den auf dem Fiat Talento basierenden Modellen Danny 490 und 530. Der knapp fünf Meter lange 490 bietet eine Küche mit Kühlschrank und Gasherd, der größere 530 hat im Heck sogar ein kleines Bad mit WC. Die Ausstattung ist bei beiden Modellen klassenüblich, mit 5 kg Gasvorrat, Zweiflamm-Kocher, 40 Liter Kühlschrank und Dieselheizung.

Ewiger Zweiter hinter dem VW California ist der Ford Nugget aus der Kooperation der Kölner mit Westfalia. Den Campervan gibt es mit Hoch- oder Aufstelldach. Typisch für den Nugget ist seine Heckküche.

Nissan als Basisfahrzeug

Zunehmend geraten auch weitere Basisfahrzeuge in den Blick der Ausbauer. So setzt Westfalia mit dem Michelangelo auf den Nissan NV 300. Der Kompaktvan bietet unter anderem Ambientelicht, Rollos und Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer. Serienmäßig hat das Reisemobil 145 PS, sein maximale Gesamtgewicht liegt bei 2,88 Tonnen.

Mit dem Hashtag Cl1 (#cl1) bringt Camperliebe aus Berlin einen 6,2 Meter langen Campingbus auf Basis des Hyundai H350. Er hat einen 170 PS leistenden Euro-6-Diesel mit zweieinhalb Litern Hubraum, Heckantrieb und ein zulässiges Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen. Der Grundriss ist klassisch, mit längs angeordnetem Doppelbett im Heck, Nasszelle, Küchenzeile, einer Sitzbank und drehbaren Fahrerhaussitzen. Das aufstellbare Dach bietet zwei weitere Schlafplätze.

Dass Reisemobile beileibe nicht immer weiß oder beige sein müssen, will man in Jandelsbrunn beweisen. Knaus und Weinsberg zeigten auf dem Caravan-Salon die Studien "CUVolution" und "CUVision". Dabei steht CUV für "Caravaning Utility Vehicle", denn bei Knaus-Tabbert will man weg vom Begriff des "ausgebauten Kastenwagens". Die Mobile fallen mit ihren grellen Farben, Spoiler und Alufelgen auf. Innen sind beide Fahrzeuge leer. Leider. Denn mit den Hinguckern wollte Knaus-Tabbert erst mal das Publikumsinteresse testen.

Anders sieht das beim Teilintegrierten Knaus Van Ti Plus aus, den es in zwei Grundriß-Varianten auf Basis des Crafter-Bruders MAN TGE gibt. Er hat serienmäßig Frontantrieb, ist aber auch mit Heck- oder Allradantrieb bestellbar. Basis-Motor ist ein 103 kW / 140 PS starker Diesel.

Bei den Teilintegrierten und Integrierten tritt Hymers B-Klasse ModernComfort in einer Länge von 6,99 und 7,39 Meter an (Breite 229 cm). Beide Aufbauarten bieten eine selbsttragende Garage im Heck. Die neue B-Klasse basiert auf dem Triebkopf des neuen Sprinter und setzt auf das leichte und komfortable SLC-Chassis. Das Leergewicht bleibt so unter 2.900 Kilogramm. Denn nach wie vor ist Leichtbau ein Thema, speziell bei den größeren Mobilen mit Aufbau. Die Basisfahrzeuge werden mit immer mehr Ausstattung und Assistenzsystemen immer schwerer, zusätzlicher Komfort an Bord bringt ebenfalls mehr Gewicht. Aber viele Reisemobilisten wollen mit ihren Fahrzeugen unter 3,5 Tonnen bleiben, wegen des Pkw-Führerscheins und der auf Autobahnen unbegrenzten Höchstgeschwindigkeit. Deshalb setzen immer mehr Hersteller auf neue Leichtbaumethoden.

Zu den Komfortfeatures zählen elektronische Helfer. Viele Geräte im Mobil lassen sich über ein zentrales Bedienpanel, per Tablet oder Smartphone steuern. Auch die Füllstände von Gasflaschen, Batterien und Wassertanks lassen sich benutzerfreundlich abrufen. Hubbetten verschwinden, elektrisch bedient, unter dem Dach im Bug- oder Heckbereich.

Konzepte von Dethleffs und Mercedes

Auf künftige Mobilitätslösungen stellt man sich bei Dethleffs mit dem ersten E-Caravan mit eigenem Elektroantrieb ein. Er entstand in Kooperation mit ZF auf Basis des Leichtbau-Wohnwagens Coco und verfügt über zwei E-Motoren mit je 40 kW / 54 PS und eine eigene Lithiumionen-Batterie mit 80 kWh. Der eigene Antrieb soll Zugwagen mit E- oder Hybridantrieb unterstützen. Damit könnten auch kleinere Zugwagen zum Einsatz kommen. Außerhalb der Urlaubszeit könnte der Akku des Caravan als Energiespeicher in Eigenheim dienen.

Emissionsfreies Fahren zeigt Mercedes mit dem Sprinter F-Cell, einem Konzept-Wohnmobil. Drei Unterflurtanks speichern 4,5 Kilogramm Wasserstoff, das soll für eine Fahrtstrecke von 300 Kilometern reichen. In der Heckgarage steckt ein weiterer 2,9 Kilogramm-Tank, der für zusätzliche 200 Kilometer Reichweite gut sein soll. Der an der Hinterachse eingebauter Elektromotor mit 147 kW / 200 PS übernimmt den Antrieb. Eine Brennstoffzelle unter der Motorhaube liefert 75 kW/ 102 PS. Bis zur Serienreife, so heißt es aus Stuttgart, dürften fünf Jahren vergehen.

Bereits zum Jahresende gibt es das aufblasbare Pick-Up-Zelt von Gentle Gent, geeignet für Pick-Ups mit Doppelkabine. Geschlafen wird auf dem Dach, gewohnt auf der Ladefläche. Der 28 Kilogramm wiegende Aufbau wird auf dem Dachträger des Fahrzeugs installiert, das Packmaß liegt bei einmal ein Meter, die Aufbauhöhe bei 18 Zentimeter. Per Elektropumpe wird der hintere und untere Teil aufgeblasen, der stellt den "Wohnbereich" dar. Geschlafen wird im ersten Stock, die Liegefläche ist 140 x 220 cm groß.

Teurer kommt der schwimmende Wohnwagen Caravanboat, so eine Art fahrbares Hausboot. Mit 15 Pferdestärken - bis zu dieser Leistung darf das "Boot" ohne Bootsführerschein gefahren werden - kann das fahrbare Hausboot auf Binnen- oder küstennahen Gewässern schippern. Mit Bootsführerschein sind sogar bis zu 50 PS drin. Auf einem zweiachsigen Trailer hat das Boot ein Gewicht von rund 2,7 Tonnen und eine Länge von neun Meter. Der schwimmfähige Caravan bietet bis zu vier Schlafplätze, Küche, WC und Dusche. Im Bug gibt es zwei Einzelbetten mit einer Schlaffläche von 190 x 80 bzw. 200 x 80 Zentimeter, die zum Bett umbaubare Sitzgruppe misst 100 x 200 cm.

Eine Art niederländischer Airstream ist der 517 cm lange Lume Traveler, ein Schlaf- und Kochwagen. Der 203 cm breite Caravan (Höhe 205 cm) ist als Aluminium-Sandwich-Konstruktion gefertigt. Seine Besonderheit: Eine Outdoor-Küche unter einer über die gesamte Fahrzeugbreite reichenden Heckklappe mit zwei Gasbrennern und einem 40 Liter fassenden Kühlschrank.

Text: Gerhard Prien