Bullis großer Bruder

Gran Canaria als Traumkulisse für California-Präsentation. Foto: VW/Stephan Lindloff

Campen liegt im Trend - immer mehr Urlauber wollen in den Ferien unabhängig sein, die Natur genießen und leben nach dem Motto "Gaskocher statt Frühstücksbuffet". Diese Freiluftpassion reicht vom einfachen Campen im Zelt bis zum "Glamping" im Luxus-Wohnmobil. Wo wir schon beim Thema wären. Wer an Campingbus denkt, denkt automatisch an VW-Bus. Genießt der "normale" VW California bereits Kultstatus unter den Campern, bringt VW nun mit dem großen Bruder "Grand California" auf Basis des Crafter einen Neuzugang im Segment der XL-Camper. Die Vorteile: Der große California ist ein vollwertiges Reisemobil, sogar mit Dusche und WC und bietet deutlich mehr Wohn- und Lebensraum bei noch "kompakten" Außenmaßen.

Text und Fotos: Mario Ehrnhofer

VW lud eine kleine Gruppe ausgewählter Journalisten zu ersten Fahrtests mit dem brandneuen Camper nach Gran Canaria, FreieFahrt war mit dabei. So brandneu,  dass wir mit den ersten Vorserienmodellen unterwegs waren. Die Kanareninsel ist für ihre tollen Badestrände bekannt. Aber auch das bergige Vulkanstein-Hinterland ist von bezaubernder Schönheit und ein Paradies für Wanderer und Biker. Für Campingfreunde ist Gran Canaria mit seinem ganzjährig milden Klima genau das richtige. Lediglich die Anreise auf eigener Achse ist naturgemäß aufwendiger. Kurvig. So enge Bergstraßen wie hier sind normalerweise nicht das bevorzugte Revier eines Sechs-Meter-Womos. Aber der VW macht seine Sache gut. Mit seinen 177 PS zieht der 2,0-l-Diesel den Riesenbulli erstaunlich flott den Berg hoch. Wenn wir den Blick zulange schweifen lassen, greift der Spurhalte-Assistent (Serie) gelassen ein. Und auch ein Seitenwind-Assistent ist optional zu haben.

Komfortabel in allen Situationen zeigt sich dabei die 8-Gang-Automatik. PKW-like cruisen wir die unzähligen Kurven und kehren hinauf zu unserem ersten Camp am malerischen Stausee Presas de las Ninas - diese Leichtigkeit hätten wir dem Grand California nicht zugetraut. Dieser künstliche See ist von kanarischen Kiefern umgeben, eine soll sogar über 400 Jahre alt sein. Zahlreiche Wanderwege führen am See vorbei, manche mit grandioser Fernsicht. Für heute unser Schlafplatz. Und wie wohnt es sich im großen VW? Beim Einsteigen fährt gleich die Trittstufe elektrisch aus - nobel. Im Wohnraum dominiert klares, weißes Design - vielleicht nicht jedermanns Geschmack, aber sauber und praktisch. Hinter den drehbaren Vordersitzen die Halbdinette (Rückbank mit Isofix-Halterungen), dahinter eine relativ geräumige Nasszelle (83x83 cm) mit Klappwaschbecken, Spiegelschrank, Dusche und WC. Ein Bewegungsmelder steuert das Licht im Bad. Ist zwar hilfreich, bei nächtlichen Touren aber schon sehr hell. Die Küche kann zwar nur schwer ein Fünf-Gänge-Menü für Vier zaubern, aber das Notwendigste ist vorhanden: Zweiflammiger Gaskocher, Spüle, herausziehbarer 70-l-Kühlschrank inkl. Gefrierfach sowie Staufächer. Intuitiv und modern über Touchscreen erfolgt die Regelung von Heizung/Wasser und Fahrzeugeinstellungen. Überhaupt punktet der Grand California mit wertiger Verarbeitung, wenn gleich für die Serie noch dort und da ein wenig nachgebessert werden muss.

Zwei Größen. Angeboten wird der Grand California in zwei Längen (600 und 680). In der kurzen Variante wird hinten quergeschlafen (1,93x 1,36 m). Wobei ich 1,90-m-Lulatsch im Heck dann doch besser diagonal ruhe. Das herausziehbare vordere Hochbett ist eher Kids zu empfehlen. Was uns gefällt: Neben den zweigroßen Dachluken (Front und Heck) die Tatsache wie elegant zwei Campingsessel und ein Klapptisch in der Hecktür verstaut werden können. Am nächsten Tag geht's weiter über malerische Bergstraßen zum Tamadaba Nationalpark im Westen der Insel, der mit üppigen Kiefernwäldern und schwindelerregenden Klippen aufwartet. Wir genießen den Sonnenuntergang am Rande einer Klippe mit Blick auf den Teide auf der Nachbarinsel Teneriffa und sind dabei sogar höher als die Wolken - ein toller Platz zum Träumen. Schade nur, dass die vielen Reiseträume mit dem Grand California nicht für einen Urlaub reichen werden ...