CMT: Hausaufgaben gemacht

Ein integriertes Reisemobil mit umfangreicher Serienausstattung für nur 59000 Euro: Der Hingucker auf der CMT in Stuttgart erklärt, warum es der Caravaning-Branche bestens geht.

 

ACHTUNG: DIE IM BERICHT GENANNTEN PREISE SIND VOR-ORT-PREISE AUS DEUTSCHLAND UND NOCH NICHT ÖSTERREICHISCHE ENDVERBRAUCHERPREISE! DAS GILT AUCH FÜR UNSERE BERICHTERSTATTUNG IM CCA-JOURNAL! Die Redaktion.

Der integrierte Dethleffs Trend vereint einige Entwicklungen der vergangenen Jahre auf sich. Denn die Hersteller von Reisemobilen und Wohnwagen haben ihre Hausaufgaben gemacht: holzfreier Leichtbau wegen der 3,5-Tonnen-Grenze; modernes Design innen wie außen; Kostendisziplin zugunsten angemessener Preise; Sicherheitskomponenten aller Art; die Entwicklung extra-kompakter Fahrzeuge, viele mit Allradantrieb; die Steuerung von Installationen per WLAN oder Bluetooth.

Die Summe dieser Talente hat zu einem grandiosen Erfolg 2015 beigetragen. Die in Europa führenden deutschen Hersteller haben zuletzt 84.310 Reisemobile und Caravans auf den Markt gebracht, ein Plus von 13,8 Prozent. Über 40.000 waren für den Export bestimmt. In ganz Europa wurden 151.293 Reisemobile und Wohnwagen neu zugelassen.

Wachstumsmotor in Europa war Deutschland mit einem Zulassungsplus von knapp zehn Prozent. Bemerkenswert: Mit 9,3 Prozent Neuzulassungen in Deutschland legten die Wohnwagen kräftig auf knapp 18.800 Einheiten zu. Der Caravan findet also nach wie vor Interesse, auch wenn diese Fahrzeuggattung nicht an die 28.348 Reisemobil-Neuzulassungen in Deutschland heranreicht.

Zu den Neuheiten bei den Reisemobilen: Kompaktmaß kann man dem Dethleffs-Integrierten auf Fiat Ducato nicht attestieren, aber mit 7,4 m zählt er zu den Kleinen der Königsklasse. Holzfreie Bodenkonstruktion, GfK-Dach, zwei Holzoptiken und als Kontrast helle Hochglanzoberflächen stehen für den aktuellen Standard.

Zur Markteinführung gibt es eine Version mit zwei Einzelbetten im Heck und eine mit Zentralbett von 190x 150 cm, das unterwegs nach oben gefahren werden kann (jeweils ab 59.000,- Euro).

Das City-Car C600 von Bürstner bildet mit Küchenblock an der Schiebetür, gegenüberliegender Halbdinette und Waschraum sowie einem Heckquerbett einen beliebten Kastenwagen-Grundriss auf Fiat Ducato zum Preis von 41.900,- Euro ab.

Auch Hymer macht sich klein: Zum 2,22 m schlanken Van 314 mit 5,45 m Gesamtlänge gesellt sich der ebenfalls auf Fiat Ducato aufgebaute Typ 374 mit genau 5,99 m Länge und Einzelbetten hinten zum Preis von 52.990,- Euro. Auf Mercedes-Benz Sprinter debütiert im Frühjahr der Van S mit den Varianten 520 bei 6,36 m Länge (59.990,- Euro) und dem 500er bei 5,65 m Länge (ab 56.990,- Euro). Hier machen Einzelbetten und ein Heckquerbett den Unterschied.

Noch ein kompakter Integrierter, diesmal von Carthago: Der C-Tourer I 144 epic LE bringt auf 6,99 m Länge über einem Doppelboden ebenfalls zwei Einzelbetten im Heck unter. Auf Fiat Ducato mit Al-Ko-Tiefrahmenchassis und mit neuem Möbeldekor kostet er ab 80.250,- Euro.

Burow-Reisemobile hat neben den Kastenausbauten ein neues Feld aufgetan: Der Oman ist ein offroadtaugliches Wohnmobil als Festaufbau auf einem Ford Ranger (ab 49.900,- Euro). Durch geschickte Raumausnutzung bringt der Oman viel Staumöglichkeiten und einen Waschraum einschließlich Dusche mit. Der Durchgang vom Fahrerhaus in die Wohneinheit ist problemlos möglich. Geschlafen wird im Alkoven in einem Querbett, das sich mit wenigen Handgriffen in zwei Einzelbetten, die über die Sitzgruppe ragen, verwandeln lässt. Info: www.burow-reisemobile.de

Modulare Ausbausysteme für Hochdachkombis oder Transporter machen zwar noch kein Reisemobil, aber jungen Leuten vielleicht Appetit auf mehr. Buddy-Box bietet leichte GfK-Schränkchen mit 40 x 40 cm Grundfläche in zwei verschiedenen Höhen, die mit eigener Befestigungsplatte in den serienmäßigen Bodenschienen der Fahrzeuge verankert werden. Die Boxen haben wahlweise Stauraum, Wassertanks und ein Spülbecken, Kochplatte oder Trockentoilette. Die Preise beginnen bei 449,- Euro für eine Stauraumbox. Info: www.buddybox.de, Telefon: +49 7121 4347062.

Bei den Wohnwagen lenkte in Stuttgart die Knaus-Tabbert-Gruppe die Blicke auf sich, nicht nur mit einer 1:1-Nachbildung des t@b, geformt aus 21.5000 Lego-Bausteinen. Der Knaus Lifestyle 550LK mit seiner lounge-ähnlichen Einrichtung bekommt Gesellschaft: Der 490L ist auf zwei Personen ausgelegt und trennt die Küche vom barähnlichen Essplatz (ab 18.890,- Euro).

Die Schwestermarke Tabbert stellt mit dem Rossini 400LK einen 6 m kurzen Reisecaravan vor, der eine Umbau-Dinette vorn und hinten ein Etagenbett enthält, dessen untere Liegefläche zur Mini-Dinette umgerüstet werden kann (ab 16.490,- Euro). Der Puccini 550E zeigt vorn Einzelbetten (ab 28.490,- Euro) und der Puccini 750 HTD entpuppt sich als Tandemachser mit riesigem Waschraum im Heck (ab 39.580,- Euro).

In Stuttgart fiel auch auf, dass weitere ausländische Hersteller auf den dynamischen deutschen Markt drängen: kleine Firmen aus Polen, Slowenien und Österreich, aber auch etablierte Unternehmen aus Großbritannien.

Neuzugänge tun sich schwer auf dem Caravaning-Markt in den deutschsprachigen Ländern, denn die Platzhirsche, überwiegend aus Deutschland, besetzen inzwischen jede Nische selbst, und sei sie noch so klein. Man braucht also Geduld (und Finanzkraft).

Das merkt auch die britische Swift-Group, die daheim Marktführer ist. In Stuttgart ließ sie den 2,26 m breiten Swift Toscane 774EB Premiere feiern (69.400,- Euro). Der Hubbett-Teilintegrierte mit Van-Maßen bringt hinten ein Raumbad mit, davor stehen Einzelbetten. Die Küche ist „very british“: Backofen und Grill in einem Herd mit drei Gaskochstellen und einer Elektroplatte oben, dazu Mikrowelle im Oberschrank. Info: www.swiftreisemobile.com

Noch besser lassen sich die britischen Gene in den nur 225 cm breiten Sprite-Wohnwagen der Baureihe Cruzer (ab 23.000,- Euro) erkennen: Auch hier fällt die außergewöhnliche Küchenausstattung auf, die allerdings keinen Platz für einen Kühltower vorsieht, sondern den Kühlschrank unter der Arbeitsfläche installiert.

Interessant wird es vorn: Hinter den drei Bugfenstern stehen längs zwei Sofas und dazwischen eine Kommode an der Stirnseite, aus der sich ein kleiner Esstisch herausklappen lässt. Der eigentliche Esstisch wartet in einem Schrank oder in einem Bettstaukasten auf seinen Einsatz, der auch vor der Tür stattfinden kann.

Ansonsten scheint der Engländer Schubladen zu lieben: Sie finden sich in der Kommode, natürlich im Küchenblock und gelegentlich auch in Sideboards oder Unterschränken. Die S-Heizung von Truma oder das Fahrgestell von Al-Ko sind dagegen Komponenten aus deutscher Produktion.

Im Heck spiegeln Einzelbetten, französische Betten oder Querbetten die europaweit gängigen Varianten. Holzfreier Aufbau mit GfK an Bug, Heck und Dach sowie Glatt-Alu an den Flanken und ein mit GfK nach unten abgesicherter Boden geben den Standard wieder. Infos: www.spritecaravans.com

Aus Polen stammt die Elcamp-Gruppe, die in Stuttgart Kastenausbauten der Marke Globe-Traveller auf Fiat Ducato und Peugeot Boxer gezeigt hat. Mit Preisen ab 48.000,- Euro nimmt Globe-Traveller nicht den Weg auf der Billigschiene, sondern sieht sich auf Augenhöhe etwa mit LaStrada.

Für diese Interpretation sprechen das gefällige Design innen mit seinen klaren Linien und hochglänzenden Flächen, aber auch viele sinnvolle technische Details wie ein Doppelboden in höheren Varianten oder die Wahl zwischen einem Heck mit Flügeltüren und einem mit GfK-Kunststoffteil samt Ladeklappe. Dass der Doppelboden Tanks und andere Installationen aufnimmt, versteht sich. Die unterschiedlichen Festbetten im Heck können in einigen Typen ergänzt werden durch ein ausklappbares Alkovenbett im Vorderwagen. Info: www.globe-traveller.eu

Bravia-Mobil aus Slowenien macht dagegen mit Grundpreisen ab 30.000,- Euro auf seine Swan-Kastenausbauten auf Peugeot Boxer aufmerksam. In Design und Ausstattung halten sich die 5,99 und 6,36 m langen Typen an die Standards des europäischen Marktes. Info: www.bravia-mobil.com

Die Firma Qubiq aus Österreich präsentiert modulare Ausbausysteme für Kleinbusse von Mercedes-Benz und VW, auch mit Aufstelldach und Liegefläche wie Marco Polo Activity und California Beach, sowie für Hochdachkombis.

Die Module Kochen, Wasserversorgung und Kühlen lassen sich beliebig kombinieren und ruhen mit Schnellverriegelung auf einer Basisplatte mit fahrzeugspezifischen Verankerungen (Systempreis ab 1.730,- Euro). Dazu gehört eine Liegefläche, die ausklappbar auf den Modulen lagert und bei schlechtem Wetter mit Truhen aus dem Modulbaukasten zur Sitzgruppe umgebaut werden kann. Info: www.qubiq.at

Mercedes-Benz lässt seinem Marco Polo, einem kompakten Reisemobil aus der V-Klasse mit Westfalia-Ausbau, das ausdrucksstarke Styling der Sportwagenmarke Mercedes-AMG angedeihen. Der Marco Polo AMG-Line rollt auf 19-Zoll-Leichtmetallrädern im Sieben-Doppelspeichen-Design daher und zeigt mit markanten Lufteinlässen und Zierelementen an der Frontschürze ein sportliches Äußeres, das dank 17-Zoll-Bremsanlage und 15 mm tiefer gelegtem Fahrwerk nicht nur ein Versprechen bleibt.

Neben dem hinten angeschlagenen und vorn öffnenden Aufstelldach gibt es jetzt eine SCA-Version, die hinten in die Höhe ragt. Die flache GfK-Schale mit Zeltleinwänden und Fenstern ist für die 5,14 m langen Versionen von Vito und V-Klasse gedacht und offeriert Aus- und Aufbauern ganz neue Möglichkeiten der Innenraumgestaltung. Zum Beispiel mit hinten herausnehmbaren Küchen- und Sanitärmodulen.

Und für Camper mit eingeschränkter Beweglichkeit ergänzt Mercedes-Benz den Marco Polo künftig um Fahr- und Mobilitätshilfen, etwa zum einhändigen Beschleunigen und Bremsen.