Tipps für Gebrauchte

Wohnzimmer, gebraucht

SO gebraucht muss das WoMo ja auch nicht sein. Foto: wikipedia

Bei WoMo-Preisen von 30.000 Euro aufwärts und gleichzeitiger wirtschaftlicher Flaute nimmt es nicht Wunder, wenn die Nachfrage nach Gebrauchten im Steigen ist. Besonders für Camping-Neulinge und Jungfamilien kann ein gebrauchtes Wohnzimmer eine preisgünstige Alternative zum "Neubau" sein.

Ist es ein Kauf unter Freunden, gar im Familienverband, sieht die Sache einfach aus. Ist es ein "Schnäppchen" aus dem Angebot des freien Marktes, sollte man verdammt genau hinschauen, bevor man die Unterschrift unter den Kaufvertrag setzt, empfehlen die CCA-Fachleute.

Über den Zeitpunkt des Kaufens lässt sich streiten. Im Herbst, wenn die Modellwechsel der großen Marken bevorstehen, und die Verkaufsflächen neu bestückt werden, ist sicher gute Zeit dazu. Und es fällt - wenn man nicht gerade fanatischer Wintercamper ist - auch der innere Zwang weg, möglichst schnell zuzuschlagen.

Bei Privatkäufen sieht es jedoch wieder anders aus, etwa wenn zum Jahreswechsel Kauf- bzw. Neukaufentscheidungen getroffen werden, wenn Krankheit oder Alter zur Weggabe des WoMos motivieren.

Achtung bei Internet-"Schnäppchen"

Der Trick ist schon alt, aber viel zu viele fallen noch darauf herein. Da wird ein tolles Wohnmobil zum Superpreis angeboten. Kleiner Haken: das gute WoMo ist derzeit in Spanien und muss dort erst abgeholt werden. Und dazu braucht der Verkäufer ein wenig Bares - wobei "wenig" durchaus mehrere Tausender sein können, die in Summe aber noch immer nichts am vermeintlichen "Schnäppchenpreis" ändern. Erraten! Die paar Tausender sollen doch vorab überwiesen werden. So und so ähnlich funktionieren die bösen Tricks, mit denen viel Geld ergaunert wird.

Einfach, sicher und mit Gewähr: beim Händler

Wohnwägen um bis zu 10.000 Euro, Wohnmobile bis zu 30.000 Euro: diese Preise sind für Gebrauchte bei Österreichs Händlern zu bezahlen. "Das Angebot ist leider in Deutschland viel größer", weiß Ludwig Eder, Verkaufsexperte bei Pusch. Dazu kommt, dass "am Gebrauchtmarkt viel von Privat an Privat gekauft wird". Spezielle Käuferschichten für Gebrauchte will Eder nicht ausmachen: "Jede Altersgruppe, und auch Ausprobierer". Für viele eben auch eine "Einstiegsdroge" - Eder: "Sie kommen dann zufrieden wieder und suchen sich teureres Modell!"

Absolute Vorteile beim Händler-Kauf des Gebrauchten: Gewährleistung 12 Monate, zuverlässig erledigte Services wie Gasprüfung, §57a-Überprüfung, intakte Reifen sind, so Eder, das große Plus.

Christian Pfaff vom gleichnamigen großen österreichischen Händler ortet ebenfalls durchaus einen Drang zu den Gebrauchten. Auch er hat zu wenige zurück gegebene Fahrzeuge im Programm. Problem: das österreichische Steuersystem, das den Kauf gegenüber Ländern wie Deutschland höchst unattraktiv mache. 42 Prozent Steuern lasten auf einem Reisemobil, das sei eindeutig zu hoch. "So bewegt sich kaum etwas auf dem Markt", meint Pfaff, der eine massive Änderung der Besteuerung im Interesse des Handels fordert. Wie Eder sieht auch Pfaff trotz aller Schwierigkeiten große Vorteile für den Konsumenten beim Händlerkauf: Gewährleistung und solide Servicearbeiten seien nur auf diesem Weg garantiert.

Grundsätze bleiben gleich

Wie auch bei jedem anderen Wohnmobil-Kauf gilt es auch beim Gebrauchten, vor der Wahl zu überlegen, mit wie vielen Personen, an welche Destinationen und in welcher Jahreszeit man zu reisen gedenkt.

Nicht nur Dimension, sondern auch Ausstattung haben dabei große Bedeutung: Nordlandcamper werden eher auf gute Heizung - vielleicht sogar Fußbodenerwärmung Wert legen, Strand- und Familienurlauber auf die geeigneten Möglichkeiten der Vorzelterweiterung.

Während man die technische Tauglichkeit sinnvoller Weise den ExpertInnen - siehe ARBÖ-Test - überlassen sollte, kann man schon mit den eigenen fünf bis sechs Sinnen einiges über das Objekt der Begierde herausbekommen:

 

  • Probefahrt: wie fährt sich das Mobil generell, wie verhält es sich in engen Kurven?
  • Wurden Eigeneinbauten oder sonstige Basteleien am Wagen durchgeführt? Diese entsprechen oft nicht den Zulassungskriterien und können Ihnen so Probleme bei neuerlicher Genehmigung bereiten.
  • Gerüche: riecht es beim Eintreten nach feuchtem Keller? Oder nach Sprit? Dann ist der Verdacht naheliegend, dass entweder Fenster, Türen oder Außenhaut undicht sind, bzw. Zuleitungen lecken.
  • Bewegliche Teile: schließen Türen und Klappen mit sattem Geräusch, oder quietscht und hakt es an allen Ecken und Enden?
  • Sind wichtige Funktionen wie Dusche, Bordtoilette, Hubbett problemlos zu benützen?
  • Rost, Oxidation an Kabelverbindungen, Metallteilen?
  • Dichtigkeit von Tanks (ja, es sind mehrere!) und Gas- und Wasserleitungen prüfen.
  • Auch den Zustand von Gummidichtungen, Abdichtungen von Antennen- bzw. Dachaufbauten checken.
  • Energie- (=meist Gas-)Zufuhr zeigen lassen und Halterung der Gasflaschen bzw. Tanks prüfen.
  • Flick- oder Nachbesserungsspuren können auf Havarien hindeuten.

 

Am sichersten mit Kauftest

ARBÖ-Cheftechniker Erich Groiss mit den allerwichtigsten Punkten, die man beim Kauf eines Gebraucht-WoMo berücksichtigen muss:

"Vorher schon kontrollieren, ob das Fahrzeug servicegepflegt ist, wann das letzte Service durchgeführt wurde. Prüfen Sie auch, wie alt die Reifen sind. Ganz wichtig auch: wann war die letzte § 57a Überprüfung?"

Checken sollte man unbedingt auch, ob alle An- und Zubauten dem Kraftfahrgesetz entsprechend genehmigt wurden. Groiss: "Also alles, was von der Serienmäßigkeit abweicht, ist grundsätzlich genehmigungspflichtig, bis auf wenige Ausnahmen, wie zum Beispiel Tagfahrlicht).

Auf Herz und Nieren kann man den Gebrauchten im Zuge eines ARBÖ-Kauftests begutachten lassen. Solche Kauftests kann man in jedem Prüfzentrum durchführen lassen, bei dem die Höhe der Einfahrtstore nicht überschritten wird (Die Einfahrtshöhe kann man auf der Homepage des ARBÖ unter "Dienststellen" nachlesen). Der Cheftechniker empfiehlt daher: "Geben Sie bitte bei einer Terminvereinbarung die Höhe Ihres Fahrzeuges an, damit Sie sicher sein können, dass der Test auch durchgeführt werden kann!"

Hat man sich einmal für den Kauf entschieden, dann empfiehlt es sich bei Käufen von Privat an Privat, den ARBÖ-Musterkaufvertrag (unter www.arboe.at) zu verwenden.