Düsseldorf: Antworten auf Zukunftsfragen

Rückblicke und Ausblicke

Düsseldorf-Highlights, hier der Hymer

Beim Caravan-Salon Anfang September in Düsseldorf wurde das Bemühen der Branche deutlich, Antworten auf die Frage nach ihrer Zukunft in Zeiten von Klimaschutz und steigenden Spritpreisen zu finden.
Andererseits leistete sie sich in der Rückschau ein bisschen Schulterklopfen: 60 Jahre Campingbus feierten Westfalia und Volkswagen, 50 Jahre Bau von Reisemobilen in der heute noch üblichen Grundform rechnet sich die Firma Hymer dank Branchensenior Erwin Hymer (81) zu. Vor 30 Jahren kam der erste Fiat Ducato heraus, mit inzwischen fast 70 Prozent Marktanteil das wichtigste Basisfahrzeug der Reisemobilbauer.
Und der Caravan-Salon fand zum 50. Mal statt: ab 1962 in Essen und seit 1994 in Düsseldorf.

AL-KO Antrieb

An gleich drei Ständen war auf dem Caravan-Salon der seit der Premiere 2010 weiterentwickelte Al-Ko-Vorschlag zum künftigen Antrieb in Reisemobilen zu sehen. Die Chassis-Experten aus dem bayerischen Schwaben kombinieren einen emissionsfreien Elektromotor an der Hinterachse mit dem Verbrennungsmotor im frontgetriebenen Fiat Ducato. Electric Power Chassis (EPC) wurde der Prototyp getauft.
Sämtliche Komponenten des Elektroantriebs, darunter Batterien, deren Kühlsystem, E-Motor und Diferenzialgetriebe, sind im Al-Ko-AMC-Chassis installiert, das schon jetzt unter vielen Reisemobilen das Ducato-Fahrgestell ersetzt.
Die Reichweite wird von der Zahl der eingesetzten Batterien abhängen, ebenso vom Fahrzeuggewicht, dem Streckenprofil und der Sensibilität des Fahrers im Umgang mit dem Gaspedal. Auch wenn es nur 50 Kilometer sein sollten, dürften diese in den meisten Fällen zum Besuch einer Innenstadt mit Umweltzone ausreichen.
Mit Preisangaben wollte Al-Ko noch nicht vorpreschen, denn bis zum geplanten Serienstart im Jahr 2014 ist noch viel Feinarbeit zu leisten.

Und noch ein Blick nach vorn, diesmal inspiriert von Hobby. Mit knackigen TV-Werbespots für den Premium-Wohnwagen (Vorstellung in Heft 9/11) hat der Branchenriese im deutschen Fernsehen mehr für ein positives Image der Caravaning-Branche getan als alle Kampagnen vorher. In Düsseldorf wurde neben diesem Caravan auch die Studie eines Reisemobils gezeigt, das mit ebenso eleganter Linienführung an die Tradition des legendären 600ers anknüpft. Markteinführung im nächsten Jahr.

Und hier einige Neuheiten, die jetzt in den Handel kommen:

Reisemobile

Chausson, eine Marke der französischen Trigano-Gruppe, importiert von Koch-Freizeitfahrzeuge in Itzehoe, nutzt die Teilintegrierten-Baureihe Sweet gern als Versuchslabor. In dieser Serie gibt es schon seit einem Jahr den Typ Maxi mit frei im Raum stehendem Küchenblock samt ebenso mittig angeordneter Sitzbank davor. Im Modelljahr 2012 ergibt der Abstand zur linken Seite einen ganz neuen Sinn, denn beim „Panoramic System“ wird ein eineinhalb Meter breiter Ausschnitt des Aufbaus per Elektromotor nach oben geklappt. Der in Düsseldorf mit diesem Open-Air-Aufbau gezeigte Sweet war mit 55.400 Euro Gesamtpreis ausgeschildert. Genaue Angaben über die Kosten des „Panoramic Systems“ wollten die Trigano-Leute nicht machen.

Eura-Mobil ist mit Alkovenfahrzeugen (vor allem für die Vermietung) groß geworden, doch auch die Trigano-Tochter setzt mit einer Einsteigerserie bei den Teilintegrierten Schwerpunkte. Das neue Basisangebot trägt den Namen Profila, der bisher schon bei den Alkovenmobilen die Einsteigerklasse markiert.

Preise unter 50.000 Euro, Fiat Ducato mit Breitspur-Tiefrahmen, der markentypische Doppelboden, Gewichtsklasse unter 3.500 kg, GfK-Karosserie mit holzfreiem Aufbau lauten die wichtigsten Stichworte zu diesen Neulingen. Die Grundrisse unterscheiden sich durch die Bettenanordnung im Heck. Ein Hubbett kann geordert werden.

Einen ganz eigenen Weg geht Eura-Mobil mit seinen Wellness-Mobilen: Nach der Premiere der orthopädischen Gesundheitsmatratze mit Massagefunktionen im Frühjahr 2011 steht jetzt der Einbau einer Infrarot-Kabine in einem Integra-Reisemobil auf dem Programm. 

Hymer brachte in Düsseldorf den Van-Club wieder auf Trab, jene Kategorie von aufgebauten Reisemobilen, deren Breite zwischen denen von Kastenwagen und herkömmlichen Motorcaravans liegt. In den vergangenen Jahren genoss diese Klasse bei den meisten Herstellern zwar Modellpflege, doch vergrößert wurde sie nicht mehr.

Die Integrierten-Vans der Reihe Exsis-i bekamen nun Zuwachs um die Einzelbett-Varianten 578 und 674, eine Version mit Queensbett, der 698, wurde für das Frühjahr angekündigt. Sie rollen auf Fiat Ducato daher, nicht mehr auf dem Ford Transit wie die weiterhin angebotenen Typen 512 und 562 (ab 53.990 Euro). Eine L-Sitzgruppe hinter dem Fahrersitz unterscheidet die außen 2,22 m breiten Neulinge von den älteren Brüdern mit ihrer Halbdinette. Mit umfangreicher Serienausstattung sollen die neuen Exsis-i ab 61.990 Euro kosten.

Westfalia hat 1951 die erste Camping-Box für einen VW-Bus ausgeliefert und seither viele Höhen und Tiefen erlebt. Zum Jubiläum gibt es einen neuen Campingbus namens „Jules Verne“. Seine Besonderheit: zwei Einzelbetten. Als Sonderedition wird der Jules Verne in nur 60 Exemplaren auf Mercedes-Benz Viano angeboten, auf dem etwas robusteren Viano-Bruder Vito geht er mit Preisen ab 49.900 Euro ins Westfalia-Komplettprogramm ein.

Wohnwagen

Bürstner wurde von der Nachfrage nach der außen auffällig mit floralem Design beklebten Variante „Jungle Edition“ des Hubbett-Wohnwagens Averso plus überrascht. Noch bunter geht es jetzt bei der Premio-Parallel-Baureihe Paradise zu: Grün in vielen Schattierungen, Rot, Orange und Blau kommen vor, Pflanzen, Vögel und Schmetterlinge. Das fröhliche Äußere gibt es im Paket mit Glattblech-Seitenwänden, Alu-Felgen und mehr für 1.190 Euro.

Fendt zeigte auf dem Caravan-Salon erstmals den aus der Serie Platin abgeleiteten Scand. Der Wohnwagen für den ganz harten Wintereinsatz hat Alde-Warmwasserheizung, beheizten Handtuchtrockner und ebensolchen Kleiderschrank, Fußbodentemperierung und eine abschließbare Box für die Elektroeinspeisung sowie eine auf Rollen herausziehbare Box für Skier im vorderen Stauraum. Preis: 29.550 Euro.

Wer einen VW T5 fährt und einen Wohnwagen im gleichen Design, von der Lackierung bis zu den Linien der Fensterkanten, haben will, kann sich bei Knaus bedienen. Die nach Deseo-Vorbild kantig gebauten Hubdach-Tourer gibt es in allen T5-Farben zu Preisen ab 18.790 Euro. Bugsitzgruppe und Doppelbett quer im Heck sind Merkmale innen.